
Aufgrund seiner starken Ausrichtung auf die Energiegewinnung aus nachhaltiger Wasserkraft erreichte der Verbund auch im Berichtsjahr ein sehr positives Ergebnis: Trotz der schwieriger gewordenen Rahmenbedingungen erzielten wir beim Umsatz eine Steigerung um 23,2 % auf 3.744,7 Mio. €, verbesserten das Operative Ergebnis um 24,3 % auf 1.138,6 Mio. € und steigerten das Konzernergebnis um 18,6 % auf 686,6 Mio. €.
Dafür sind mehrere Faktoren verantwortlich: einerseits die ausgezeichnete strategische Positionierung des Verbund, deren Fundamente in den Jahren zuvor gelegt worden waren; andererseits profitierte der Konzern auch von seiner Hedging-Strategie, aufgrund derer ein Gutteil der Eigenerzeugung jeweils ein Jahr im Voraus verkauft wird.
Zwei große Themenkomplexe beherrschten im Jahr 2008 die öffentliche Diskussion: In der ersten Jahreshälfte waren es die Ölpreise, die nicht zuletzt wegen der großen Nachfrage in China und Indien in zuvor nicht geahnte Dimensionen stiegen. Im Sommer begannen die Preise zu fallen, und ab Herbst beherrschte die Krise am Finanzmarkt die Schlagzeilen. Sie hat in den vergangenen Monaten auch zu einem deutlichen Wirtschaftsabschwung geführt.
In turbulenten Zeiten, die vor allem an den Börsen in aller Welt zu spüren waren, verlor auch die Verbund-Aktie an Wert. Sie schloss Ende 2008 mit einer negativen Performance von 32,0 %, entwickelte sich damit jedoch deutlich besser als der Wiener ATX (–61,2 %).
Der Verbund-Konzern war über das gesamte Jahr 2008 – bezogen auf die Marktkapitalisierung – das höchstbewertete Unternehmen an der Wiener Börse. Mit Wirkung vom 22.12.2008 wurde die Verbund-Aktie in den »ATX five« aufgenommen. Dieser ist ein kapitalisierungsgewichteter Preisindex, der aus den fünf höchstgewichteten Aktien des ATX besteht.
Die Finanzmarktkrise und deren Auswirkungen auf die Wirtschaft machten auch vor dem Verbund nicht Halt: Auch wenn unser Konzern nach wie vor 88 % seines Stroms in Österreich aus Wasserkraft – und immer mehr aus »neuen« erneuerbaren Energien wie Windkraft und Photovoltaik – erzeugt, bleibt der Verbund von den Folgen der Krise nicht verschont. Die gute Ertragslage der vergangenen Jahre und die ausgezeichnete Positionierung am europäischen Energiesektor ermöglichen es uns jedoch, unseren Expansionskurs fortzusetzen.
Erleichtert wird dies auch durch die hohe Innenfinanzierungskraft und durch die gute Liquidität des Verbund, die durch die gute Ergebnisentwicklung, die steigenden Cashflows begründet und das starke Rating begünstigt ist.
Bei der geplanten Expansion wollen wir uns in erster Linie auf die Umsetzung und Entwicklung der bestehenden Projekte konzentrieren – also jener, die bereits in Bau sind oder von den Behörden genehmigt wurden. Die Umsetzung neuer Projekte werden wir davon abhängig machen, ob diese wertschaffend sind.
Das bedeutet eine gewisse Vorsicht, die leicht zu begründen ist: Durch den Rückgang der Ölpreise sind auch die Großhandelspreise für andere Energieträger – also auch jene für Strom – unter Druck geraten. Außerdem sind durch die Bankenkrise die Finanzierungskosten für große Projekte gestiegen. Weiters ist noch nicht mit Sicherheit abzusehen, wie sich das wirtschaftliche Umfeld in den kommenden Monaten entwickeln wird.
Der Verbund steht damit vor einer großen Herausforderung für seine Zukunft: Es gilt, antizyklisch – also jetzt – zu investieren.
Einige Beispiele zu den geplanten Investitionen in Österreich: Im Bereich der erneuerbaren Wasserkraft sind der Weiterbau am Pumpspeicherkraftwerk Limberg II mit einer Leistung von 480 Megawatt (MW), die fortgesetzte Maschinenerneuerung im Donaukraftwerk Aschach und der Neubau des Laufkraftwerks Werfen/Pfarrwerfen als wichtigste Projekte zu nennen. Zu erwähnen sind außerdem die Erweiterung des Kraftwerks Hieflau und die Automatisierung der Kraftwerks- und Wehrsteuerung an der Donau. Weiters erfolgte der Spatenstich für die Errichtung des Gaskraftwerks Mellach bei Graz (832 MW), dessen Inbetriebnahme für 2011 vorgesehen ist.
Auch auf den Ausbau der Übertragungsnetze wird viel Wert gelegt: So gehen in der Steiermark die Arbeiten an der 380-kV-Höchstspannungsleitung zügig voran; mit einer Fertigstellung aller fünf Abschnitte ist Mitte 2009 zu rechnen. Der Baubeginn des Abschnitts »Salzach neu–St. Peter« der geplanten 380-kV-Salzburgleitung ist für Mitte 2009 vorgesehen, die Inbetriebnahme für Ende 2010/Anfang 2011. Auch an der Errichtung des Teilstücks »Tauern–Salzach neu« als Freileitung hält der Verbund fest. Die Engpässe an den Leitungen zwischen Österreich und Tschechien wurden im Berichtsjahr durch die Inbetriebnahme des zweiten Systems der Leitung Slavetice–Dürnrohr entschärft.
Durch den Ankauf dreier Windparks in Niederösterreich, Bezirk Bruck an der Leitha, mit einer Gesamtleistung von 49 MW gelangen dem Verbund in Österreich große Fortschritte im Bereich der »neuen« erneuerbaren Energien. Auch in Kroatien, Rumänien und Bulgarien sind derzeit weitere Windkraftprojekte in Planung.
Auch in der Erzeugung von Strom aus Sonnenenergie ist der Verbund aktiv: Seit Herbst 2008 liefern zwei Kraftwerke in Andalusien, Spanien, ganzjährig umweltfreundlichen Sonnenstrom für 1.500 Haushalte.
In der Türkei erhielt der Verbund im Juli 2008 gemeinsam mit der Sabanci Group den Zuschlag für den Kauf der Verteilnetzgesellschaft Baskent EDAS, die drei Millionen Endkunden versorgt. Experten rechnen damit, dass sich der Stromverbrauch in der Türkei bis zum Jahr 2020 vervierfachen wird. Umso wichtiger ist es, dass der Verbund dort bereits jetzt massiv investiert: Zu erwähnen sind das Gaskraftwerk Bandirma mit 919 MW, für das ebenso bereits ein Baubeschluss vorliegt wie für die Wasserkraftwerke Hacininoglu (142 MW), Kavsakbendi (180 MW), Kandil (214 MW), Sarigüzel (103 MW), Menge (85 MW) und Köprü (145 MW).
In Albanien setzte sich der Verbund gegen starke internationale Konkurrenz beim Zuschlag zur Errichtung des Flusskraftwerkes Ashta (48 MW) durch. Das Kraftwerk ist am Drin geplant, einem Abfluss des Shkodersees.
Für die internationalen Beteiligungen ist seit Mai 2008 die VERBUND-International GmbH (VI) zuständig. Sie verantwortet auch die laufenden Engagements bei der französischen POWEO Group, wo der Verbund mit rund 30 % der größte Aktionär ist, und bei der italienischen Sorgenia Group. Hier hat sich der Anteil des Verbund im Jahr 2008 durch eine einseitige Kapitalerhöhung von 38 auf 43 % erhöht.
In Österreich konnten wir im Jahr 2008 die Stromlieferungen an Endkunden deutlich ausbauen. Im Bereich Haushalt, Gewerbe und Landwirtschaft stieg die Zahl der Kunden von 130.000 auf 180.000 an: Damit gehört der Verbund heute zu den Top-5-Energielieferanten auf dem österreichischen Markt. Auch im Sektor Business und Industrie erfolgte eine deutliche Zunahme auf 212 Kunden mit einer Akquisitionsmenge von rund 14 Terawattstunden (TWh).
Besonders hervorzuheben sind die Kompetenz und das Engagement unserer Mitarbeiter, bei denen wir uns hiermit herzlich bedanken wollen! Die Personalzahl im Konzern hat sich im Berichtsjahr um 100 auf 2.541 erhöht. Ausschlaggebend dafür waren vor allem die Aufnahme von Mitarbeitern zum zeitgerechten Ersatz von Pensionierungen und die starke Expansion des Verbund weit über Österreich hinaus. In den kommenden Jahren ist eine weitere Ausweitung der internationalen Aktivitäten vorgesehen. Eine Vorbildfunktion auf dem heimischen Arbeitsmarkt hat der Konzern auch durch die Anhebung der Ausbildungsplätze für Lehrlinge von 25 auf 31: Damit wollen wir dem natürlichen Abgang von Facharbeitern frühzeitig begegnen.
Zuletzt zum Ausblick auf die Zukunft: Experten prognostizieren zumindest für die kommenden Monate einen weiteren deutlichen Wirtschaftsabschwung. Die Auswirkungen von weiteren Unsicherheiten in diesem ökonomischen Umfeld könnten auch den Verbund treffen.
2009 strebt der Verbund unter weiterhin sehr schwierigen Rahmenbedingungen und auf Basis einer durchschnittlichen Wasserführung an, zumindest gleichbleibende Ergebnisse zu erzielen. Weiters will der Verbund an seiner bisherigen Dividendenpolitik festhalten.

| Dr. Michael Pistauer | Dr. Johann Sereinig | Dr. Ulrike Baumgartner-Gabitzer |
Mag. Christian Kern |

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